WAGRAIN

Joseph Mohrs letzte Wirkungsstätte

Das arme und entlegene Bergbauerndorf Wagrain im Pongau war der Schlusspunkt in der langen Reihe an Versetzungen, die Joseph Mohr im Laufe seines Lebens durchlief. Am 4. März 1837 trat er den Dienst in Wagrain mit dessen 1.530 Einwohnern an. Doch aus gesundheitlichen Gründen fühlte sich Mohr in der rauen Bergwelt nicht sonderlich wohl. So suchte er schon nach sechs Jahren in Wagrain um eine Versetzung nach Mauterndorf an. Vergeblich! Und tatsächlich sollte ihm das Klima und die winterliche Kälte auf über 800 Meter Seehöhe am Ende zum Verhängnis werden.

 Joseph Mohr kaufte eine Feuerwehrspritze für die Gemeinde und setzte sich für die Armen- und Altenpflege ein. Vor allem die Härte des damals gebräuchlichen Einlegerwesens war ihm ein Dorn im Auge: Nach diesem mussten die Armen turnusmäßig von Hof zu Hof wandern und überall eine bestimmte Zeit verpflegt werden. Sein Wirken hat in Wagrain besonders nachhaltige Spuren hinterlassen. Dabei war Joseph Mohr auch in diesem Ort als leutseliger, geselliger und musikalischer Pfarrer beliebt. Während seiner Zeit in Wagrain trieb er die Sparsamkeit an sich selber und seinem Haushalt so weit, dass er nur noch einen Talar aus schwarzem Stoff besaß. Am 4. Dezember 1848 verstarb Joseph Mohr im Alter von nur 56 Jahren aufgrund einer Erkältung nach einem winterlichen Versehgang. Den Siegeszug seines Gedichts als weltberühmtes Weihnachtslied hat der „Priester der Armen“ nicht erlebt. Seine letzte Ruhestätte wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufgelassen, aber später wieder lokalisiert. Da es von Joseph Mohr kein Bild gibt, kam der Künstler und Pfarrer Josef Mühlbacher im Jahr 1912 auf die skurrile Idee, den Leichnam zu exhumieren, um über eine Schädelvermessung zu einer Vorlage für eine Bronzebüste zu gelangen. Das Kunstwerk ist in Oberndorf vor der Stille-Nacht-Kapelle zu sehen. Der Schädel wurde kurzerhand, zum Entsetzen der Wagrainer, in der Kapelle in Oberndorf eingemauert.

Stille-Nacht-Museum im Pflegerschlössl

„Ein Seelsorgerleben damals“ / Dauerausstellung

„Über den Tellerrand geschaut“ – kulinarische Stille Nacht in Europa / Sonderausstellung

29.09.2018 – 03.02.2019

Texte & Fotos © SalzburgerLand Tourismus GmbH